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Popa Chubby: Blues-Rock-Ikone aus New York im Porträt

Popa Chubby: Blues-Rock-Ikone aus New York im Porträt

Wer einmal Popa Chubby live gesehen hat, vergisst ihn so schnell nicht wieder. Der massige New Yorker mit den tätowierten Armen und der unverkennbaren Glatze steht nicht einfach auf der Bühne – er besitzt sie. Mit einer Stratocaster in der Hand und dem Amp auf Anschlag liefert er Blues-Rock-Performances ab, die irgendwo zwischen roher Straßenenergie und virtuoser Gitarrenkunst angesiedelt sind. Kein Wunder, dass er sich über Jahrzehnte hinweg eine treue Fangemeinde erspielt hat – weit über die Grenzen der USA hinaus, bis tief in die europäische Blues-Szene hinein.

Von der Bronx auf die Bühne

Hinter dem Künstlernamen Popa Chubby verbirgt sich Theodore Joseph „Ted" Horowitz, geboren am 31. März 1960 in der Bronx, New York City. Aufgewachsen als Sohn eines Süßwarenladenbesitzers, entdeckte er mit 13 Jahren zunächst das Schlagzeug, bevor ihn die Gitarre vollständig in ihren Bann zog. Sein musikalisches Erwachen verlief alles andere als geradlinig: Jimi Hendrix, Cream, die Rolling Stones – aber auch die härtere Seite des Rocks mit Led Zeppelin und Black Sabbath prägten seinen Sound von Anfang an. Dieser Mix aus Chicago Blues und britischem Hard Rock sollte zum Markenzeichen seiner Karriere werden.

Seine frühen Jahre verbrachte Horowitz in den Kneipen und Clubs New Yorks, wo er sich in der pulsierenden Szene der Stadt hochspielte. Ein besonderer Meilenstein war die begehrte Hausband-Position im legendären Manny's Car Wash in Manhattan, einem der damals wichtigsten Blues-Clubs der Stadt. Dort konnte er neben großen Namen spielen, Erfahrungen sammeln und seinen Stil schärfen.

Der nationale Durchbruch kam 1992: Horowitz gewann einen landesweiten Blues-Talentwettbewerb des Radiosenders KLON aus Long Beach, Kalifornien, wurde als „New Artist of the Year" ausgezeichnet und durfte anschließend beim renommierten Long Beach Blues Festival als Opener auftreten. Die Szene hatte ihn registriert.

Ein Sound, der keine Grenzen kennt

Was Popa Chubby als Blues-Rock-Gitarrist so besonders macht, ist die Weigerung, sich in eine Schublade stecken zu lassen. Sein Stil ist eine explosive Mischung aus Swing, Shuffle, Funk und knallhartem Rock – geerdet im Electric Blues der Nachkriegszeit, aber immer mit einem urbanen New Yorker Zug nach vorne. Die Energie auf der Bühne baut er mit der Präzision eines Handwerkers auf: langsam hochschrauben, die Menge mitreißen, dann im richtigen Moment explodieren. Veteranen vergleichen diese Fähigkeit gerne mit dem großen Freddie King.

Sein Gitarrenspiel lebt von der Unmittelbarkeit. Popa Chubby greift nicht zum Instrument, um technischen Glanz zu demonstrieren – er spielt aus dem Bauch heraus, emotional und direkt. Crisp angeschlagene Lead-Noten, fette Akkordwände, ein Vibrato, das man körperlich spürt: Das ist sein Handwerk.

Das Equipment: Stratocaster und Lautstärke

Für sein charakteristisches Klangbild setzt Popa Chubby auf bewährte Werkzeuge. Seine bevorzugte Gitarre ist eine 1966er Fender Stratocaster im Sunburst-Finish – ein Instrument mit Geschichte und Charakter. Verstärkt wird das Ganze durch einen Fender Twin Amplifier der „Red Knob"-Serie, dessen Volume-Regler im Konzert gerne auf 9 steht. Dazwischen arbeitet ein Ibanez Tube Screamer für die nötige Verzerrung und ein Catalinbread Delay-Pedal. Vintage Guitar Magazine hat diesem Setup in der Vergangenheit ausführliche Artikel gewidmet – kein Wunder, denn Werkzeug und Musiker passen hier perfekt zusammen.

Die Diskografie: Drei Jahrzehnte auf Platte

Seit den frühen 1990er Jahren veröffentlicht Popa Chubby kontinuierlich – und das Wort „Pause" scheint in seinem Wortschatz nicht zu existieren. Auf seiner offiziellen Website lassen sich Alben und Tourdaten nachlesen.

Sein erstes Album It's Chubby Time erschien 1994 auf seinem eigenen Label Laughing Bear. Mit Booty and the Beast (1995), produziert von Tom Dowd, landete er einen ersten größeren Wurf. Die Folgejahre brachten Werke wie One Million Broken Guitars (1998) und Brooklyn Basement Blues (1999), bevor er sich 2001 mit How'd a White Boy Get the Blues? beim Label Blind Pig vorstellte.

Besonders erwähnenswert ist The Fight Is On (2010), das in Europa über Provogue Records erschien und Popa Chubby einem neuen Publikum näherbrachte. Auch The Catfish (2016) und Two Dogs (2017) – beide über das französische Label Verycords erschienen – belegen seine starke Verbindung zur europäischen Blues-Szene. Im deutschen Raum ist er unter anderem über Bear Family Records erhältlich, die ihn seit Jahren im Programm führen.

Europas Blues-Bühnen als zweite Heimat

Popa Chubby hat in Europa – und besonders in Frankreich – eine Fangemeinde aufgebaut, die der nordamerikanischen locker das Wasser reichen kann. Er tourt regelmäßig durch die Clubs und Festivals des Kontinents, und seine Auftritte in kleinen, schweißtreibenden Venues gehören zum Besten, was der Blues-Rock-Zirkus zu bieten hat. Die direkte, ungefilterte Energie, die in amerikanischen Clubs zuhause ist, funktioniert in Mannheim, Lyon oder Brüssel genauso gut wie in New York oder Chicago.

Es ist diese Universalität, die echte Blues-Musik auszeichnet – und die Popa Chubby seit mehr als dreißig Jahren verkörpert. Wer die Gelegenheit hat, ihn live zu erleben, sollte sie nicht auslassen.