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B.B. King: König des Blues – Das Leben einer Legende

B.B. King: König des Blues – Das Leben einer Legende

Kein anderer Name steht so sehr für den elektrischen Blues wie der von B.B. King. Über sechs Jahrzehnte lang prägte dieser Mann aus den Baumwollfeldern Mississippis mit seiner unverwechselbaren Stimme und seiner singenden Gitarre die Musikwelt – und hinterließ ein Erbe, das bis heute nachwirkt.

Von den Baumwollfeldern zum Radiostar

Riley B. King wurde am 16. September 1925 in Berclair, einem kleinen Ort im Leflore County, Mississippi, geboren. Seine Kindheit war hart: Die Eltern trennten sich früh, die Mutter starb, als er noch ein Kind war. Er wuchs bei seiner Großmutter auf und arbeitete schon früh auf Baumwollplantagen – Schinderei unter der brennenden Sonne des amerikanischen Südens.

Musik war von Anfang an seine Zuflucht. Als Jugendlicher lernte er Gitarre, zunächst bei einem Geistlichen in seiner Gemeinde. Sein musikalisches Erweckungserlebnis hatte er, als er Platten von T-Bone Walker hörte – ein Gitarrist, der die elektrische Gitarre als Ausdrucksmittel wie kaum ein anderer beherrschte. Dieses Erlebnis sollte Kings gesamte Karriere prägen.

1946 zog er nach Memphis, Tennessee – damals das Zentrum der Schwarzen Musikszene des Südens. Sein Cousin Bukka White, selbst ein bekannter Bluesmusiker, nahm ihn auf. King fand eine Stelle als Discjockey beim Radiosender WDIA, wo er sich den Spitznamen Beale Street Blues Boy gab. Daraus wurde Blues Boy King – und schließlich: B.B. King.

Der Aufstieg zur Blues-Legende

1949 begann King mit dem professionellen Aufnehmen. Sein Durchbruch kam 1952 mit 3 O'Clock Blues, das auf Platz 1 der Billboard R&B-Charts kletterte. Von da an gab es kein Halten mehr. King tourte unermüdlich – und das ist keine Übertreibung. In Spitzenzeiten spielte er bis zu 300 Konzerte im Jahr, in kleinen Clubs des Südens genauso wie in großen Theatern in Chicago, Washington und Los Angeles.

Was ihn von anderen Bluesmusikern abhob, war seine Spielweise. King kombinierte das rohe Feeling des Delta-Blues mit jazzig-eleganten Phrasierungen und einem Vibrato, das seinesgleichen sucht. Er entwickelte einen Stil, bei dem Daumen und Zeigefinger abwechselnd zum Einsatz kamen – und dieses charakteristische Gitarrenspiel beeinflusste Generationen von Gitarristen nach ihm. Eric Clapton, Carlos Santana, Stevie Ray Vaughan – sie alle nennen B.B. King als entscheidende Inspirationsquelle.

Laut dem Rock & Roll Hall of Fame, in den King 1987 aufgenommen wurde, ist er einer der bedeutendsten Musiker, die dieses Genre je hervorgebracht hat.

Lucille – mehr als nur eine Gitarre

Wer von B.B. King spricht, kommt an Lucille nicht vorbei. Diesen Namen gab King jeder seiner Gitarren – und die Geschichte dahinter ist so dramatisch wie seine Musik.

Im Winter 1949 spielte King in einem Tanzsaal in Twist, Arkansas. Zur Heizung diente ein mit brennendem Kerosin gefülltes Fass mitten im Raum. Als eine Schlägerei ausbrach und das Fass umkippte, stand der Saal in Flammen. King flüchtete – und lief dann wieder zurück in das brennende Gebäude, um seine Gitarre zu retten. Am nächsten Tag erfuhr er, dass die beiden Männer sich um eine Frau namens Lucille geprügelt hatten.

Seitdem trägt jede seiner Gitarren diesen Namen – als Mahnung, nie wieder wegen einer Frau in ein brennendes Haus zu laufen. „Wenn ich singe, spiele ich in meinem Kopf; in dem Moment, in dem ich aufhöre zu singen, fange ich an, durch Lucille zu singen", sagte King über das Verhältnis zu seinem Instrument.

Seine bevorzugte Gitarre wurde über die Jahrzehnte zur Gibson ES-355 – ein halbakustisches Instrument mit goldenen Beschlägen, das King mit einer entscheidenden Modifikation spielte: Er ließ die F-Löcher weglassen, um Rückkopplungen zu vermeiden. 1980 brachte Gibson das offizielle Modell „B.B. King Lucille" auf den Markt.

„The Thrill Is Gone" – Ein Meilenstein

1969 nahm King The Thrill Is Gone auf – eine Ballade, die er mit einem vollen Streicherarrangement versah und damit die engen Grenzen des Blues weit aufbrach. Das Stück wurde sein bekanntester Song und gewann ihm 1971 seinen ersten Grammy Award. Insgesamt sollte King in seiner Karriere 15 Grammys gewinnen und 1987 den Grammy Lifetime Achievement Award erhalten. Auf der Grammy-Seite ist sein umfangreiches Werk dokumentiert.

Spätere Karriere und Zusammenarbeiten

Mit dem Aufkommen des Rock 'n' Roll in den 1950ern verlor der Blues kurzzeitig an Popularität – doch King blieb. In den 1960ern wurde er von einer neuen Generation entdeckt, als britische Rockbands wie die Rolling Stones und Cream den Blues nach Europa brachten und dabei auf ihre Wurzeln verwiesen. Plötzlich spielte B.B. King nicht mehr nur in Juke Joints, sondern auf großen Rockfestivals.

Er kollaborierte mit U2 (When Love Comes to Town, 1989), nahm mit Eric Clapton das Album Riding with the King auf und trat in unzähligen Fernsehsendungen auf. Sein Bekanntheitsgrad überschritt längst die Grenzen des Blues-Genres.

Vermächtnis eines Königs

Am 14. Mai 2015 starb B.B. King im Alter von 89 Jahren in Las Vegas. Die Nachricht traf die Blues-Welt tief. Doch sein Vermächtnis lebt weiter – in den Händen jedes Gitarristen, der das Vibrato eines einzelnen Tons sprechen lässt, anstatt Skalen runterzurasen.

Wie die deutsche Wikipedia festhält, gilt B.B. King neben Albert King und Freddie King als einer der „drei Könige des elektrischen Blues" – eine Einschätzung, der kaum jemand widersprechen würde.

Wer sich tiefer in die Welt des Blues versenken möchte, dem sei auch ein Blick auf die Geschichte des Blues als Musikgenre empfohlen – denn ohne diesen Kontext lässt sich die Größe von B.B. King nur halb ermessen.

Warum B.B. King noch heute relevant ist

Der Blues lebt. Und er lebt zu einem großen Teil, weil B.B. King ihn für eine globale Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat – ohne ihn seiner Seele zu berauben. Er stand für Würde, für Ausdauer, für die Schönheit des Schmerzes, der in Musik verwandelt wird.

Für jeden Blues-Fan, der zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand nimmt und versucht, dieses charakteristische Vibrato nachzuahmen – da ist ein Stück B.B. King. Und das ist das größte Kompliment, das man einem Musiker machen kann.